Achterbahn – Roller Coaster

 

Die Geschichte

 

Die Rutschbahn kennzeichnet den Ursprung der Achterbahnen. Aus ihr hat sich im Laufe der Zeit die Achterbahn entwickelt. Begonnen hat ursprünglich alles im frostigen Russland, rund um die Städte Moskau und St. Petersburg. Dort bauten die Menschen im 15. und 16. Jahrhundert, um sich die Zeit in den kalten Wintermonaten etwas zu vertreiben, Eisrutschen. Diese Rutschen waren bis zu 21 Meter hohe Holzgerüste, mit einer bis zu 50 Grad steilen Abfahrt. Die Holzplatte der Abfahrt wurde mit Wasser übergossen, so dass spätestens am nächsten Tag eine Eisschicht auf der Rutsche vorzufinden war. Oftmals baute man gegenüber einer Rutsche eine zweite, um gleich wieder bergauf rutschen zu können.

 

1784 wurde zum ersten Mal der Sommerbetrieb solcher Rutschbahnen ermöglicht, indem kleine Räder an den Schlitten befestigte wurden (bei St. Petersburg).

 

1804 entstand in Europa, in einem Pariser Vorort, eine Rutschbahn nach russischem Vorbild. Die Idee dazu brachten Franzosen aus Russland mit. Die “Montagnes Russes”, die erste Europäische Bahn, rollte auf einfachen Holzkästen die Holzbahn herunter. Später brachte man an der Abfahrt zum allerersten Mal auch Banden an, um die Wagen in der Bahn zu halten.

 

In ganz Europa entstanden von nun an derartige Konstruktionen. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts entstand eine richtige Rutschbahn-Euphorie. Allerdings, aus mangelnder Erfahrung, kam es zu vielen schweren Unfällen. Wurde eine Unglücksbahn gesperrt, entstand daneben sofort eine neue. Das Verlangen in der Bevölkerung war so groß, dass wenige Wochen nach der Inbetriebnahme, die Bahn profitabel war.

 

1817 kann als das Geburtsjahr der Achterbahn bezeichnet werden. (Jedoch gibt es viele Meinungen darüber, was als erste Achterbahn bezeichnet werden kann.) Die “Proménades Aériennes”, Standort Champs-Elysées in Paris (Architekt: Chatelain), besaß eine geschlossene Streckenführung und einen 30 Meter hohen Aufstieg mit einem Kettenaufzug, der von Pferden betrieben wurde. Auf der 240 Meter langen Abfahrt, erreichten die Wagen 50 km/h. Unterhalb der Fahrbahnen befanden sich Restaurants und Kaffeehäuser. 1819 wurde die Bahn wegen ihrer Unfälle polizeilich gesperrt.

 

Ab 1880 waren transportable Rodel-Bahnen auf Jahrmärkten sehr beliebt, die Wagen wurden von Hand hochgezogen. Um etwa 1900 entwickelten sich die Toboggan’s (Turmrutschen mit spiralförmiger Abfahrt) mit Riemenaufzug.

 

In Amerika gab es durch die damals fast unüberwindbare Entfernung zu Europa, eine völlig eigenständige Entwicklungsgeschichte. In Mauch Chunk, ein Kohle-Bergbaugebiet in Pennsylvania, hatte einer der Inhaber der Lehigh Coal Company, Josiah White eine Idee. Auf der Suche nach einer geeigneten Transportmöglichkeit zum Fluss, ließ er auf der leicht abschüssigen Straße, eisenbahnähnliche Schienen verlegen. Darauf rollten dann 1827, die mit Kohle beladenen Loren in 6er bis 14er Verbänden talwärts. 30 Minuten lang rollten sie hinunter - und 3 Stunden dauerte es, sie auf einem Parallel-Gleis mit Maultieren die 15 Kilometer wieder hinaufzuziehen.

 

 

Hinauf wurden die leeren Wagen von Eseln gezogen. Es dauerte jedoch immer sehr lange, denn die Eseln mussten auch den Rückweg wieder zum Fluss hinunter gehen. Um Zeit zu sparen, durften die Esel auch in den Wagen hinunterfahren. Das hat den Tieren so sehr gefallen, dass auch die Arbeiter das ausprobierten.

 

Zwei Jahre später, wurde nur mehr vormittags Kohle transportiert, nachmittags vergnügten sich menschliche Fahrgäste (50 Cents pro Fahrt). 1845 wurden die Esel durch Dampfmaschinen ersetzt. 1870 wurde der Kohle-Transport ganz eingestellt, um die jährlich 35.000 Fahrgäste befördern zu können. Mit der Verbreitung des Automobils verlor man das Interesse und die “Mauch Chunk Switchback Railway“ wurde 1937 stillgelegt (seit 1976 unter Denkmalschutz

 

1884 entstand, inspiriert durch die Mauch Chunk, am Strand von Coney Island in Brooklyn, New York - die erste Rutschbahn Amerikas. Erbauer und Besitzer war von La Marcus Edna Thompson. Die Bahn war etwa 15 Meter hoch, wovon die Wagen mit etwa 10 km/h, 180 Meter ins Tal geschickt wurden. Es war ein Riesenerfolg. Thompson wurde über Nacht steinreich und meldete ein Patent an (5 Cent pro Fahrt – pro Tag 600 Dollar Einnahmen).

 

Der Begriff (Roller) Coaster wurde erstmals in Thompsons Patent erwähnt. Coaster nannte man kleine Kutter, die entlang der Küste von Hafen zu Hafen fuhren. Daraus wurden rollende Coster die zwischen zwei Stationen am Strand fuhren.

 

1885 konstruierte Thompson zusammen mit James A. Griffiths und John A. Miller den “Scenic Railway“, am Strand von Atlantic City. Ab hier darf man wirklich von einer Achterbahn sprechen: Die Strecke war ovalförmig geschlossen, hatte bereits einige der Berg- und Talfahrten zu bieten, Kettenaufzüge und Spezial-Effekte eingebaut (von den Wagen betätigte Hebel schalteten Lampen ein).

 

Um 1900 entstanden in den USA “Figur-8-Bahnen“ und wurden in Serie für Vergnügungsparks produziert.

 

1908 ließ der Münchner Schausteller Carl Gabriel anlässlich einer Landwirtschaftsaustellung, die erste Figur-8-Bahn errichten. Sie hieß damals “Autoluftbahn“ oder “Schleifenbahn“, bevor sich später der Begriff “Achterbahn“ durchsetzte. Nach der Ausstellung wurde die Bahn abgerissen.

 

1909 entstand durch den Münchner Schausteller Max Stehbeck die erste transportable Achterbahn für das Oktoberfest. Weitere transportable Bahnen folgten. Der Auf- und Abbau (der jedes Mal einige Wochen dauerte) konnte mittels Hilfskräfte, infolge der hohen Arbeitslosigkeit, billig durchgeführt werden.

 

Währenddessen blieb in Amerika die Fortschritt nicht stehen. Konkurrenzdenken trieb die Hersteller zu immer gewagteren Berg- und Tal-Konstruktionen. (An der Entwicklung der Holz Berg- und Talachterbahnen, ist hauptsächlich Amerika beteiligt.) John A. Miller gilt als der Vater von schnellen, sogenannten High-Speed-Coaster (schon damals bis zu 90 km/h). 1912 führte er zusätzlich zu den Laufrädern (Running-Wheels) und den seitlichen Reibrädern (Side-Friction-Wheels) ein Räderpaar unter den Schienen ein (Under-Friction-Wheel), die ein Abheben der Wagen von den Schienen verhinderten. (Erstmals aber schon 1900, von Beechner für ein Looping verwendet) Dieses Prinzip ist auch heute bei allen Bahnen zu finden. Weiters erhöhte Miller die Außenschiene in den Kurven, wodurch die Wagen schneller, sicherer und sanfter die Kurven durchfuhren. 1929 waren in den USA über 1.500 Coaster in Betrieb.

 

Auch in Europa wuchs das Interesse für Berg- und Talachterbahnen. 1909 wurde im Wiener Prater die angeblich größte Gebirgsbahn, die “American Scenic Railway“ errichtet (1,2 Mio. Kronen). Sie hatte künstliche Felsenattrappen und war mit 20.000 Glühlampen dekoriert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde sie zerstört, und 1945 durch die “Neue Wiener Hochschaubahn“ ersetzt, aber wesentlich kleiner als ihre Vorgängerin. (Zu dieser Zeit war es auch üblich, dass auf jedem Zug ein Bremser mitfuhr.)

 

1923 wurde Europa’s erste High-Speed-Achterbahn im “Blackpool Pleasure Beach“ (England) errichtet. “Big Dipper“ (21 Meter hoch, 57km/h) ist eine Schöpfung von Miller.

 

1934 baute der Münchner Schausteller Franz Xaver Heinrich eine transportable Holz-Achterbahn, die “Teufelskutsche“. Das neue an dieser Bahn war: Laufräder mit kürzeren Achsenabstand und zusätzlich Haltebolzen die in einer mittleren Schiene liefen. Dadurch konnten die Wagen extrem scharfe Kurven durchfahren. Diese Konstruktion wurde später unter der Bezeichnung “Wilde Maus“ bekannt.

 

1953 entwickelte erstmals die italienische Firma Pinfari eine Figur-8­Bahn in vollständiger Stahlbauweise. Die Firma Anton Schwarzkopf (die in Italien Industriespionage betrieb) konstruierte mit Werner Stengel 1955 die erste transportable Bahn aus Stahl, zu deren Auf- und Abbau erstmals ein Kran (der im Aufzugsturm integriert war) zum Einsatz kam. Schwarzkopf und Stengel wurden über Nacht zum gefragtesten Achterbahnhersteller und lieferten sogar stationäre Bahnen in die USA (Cedar Point, Ohio). Auf- und Abbauzeiten, sowie Transportkosten verringerten sich durch die Stahl-Bahnen extrem, so dass die hölzernen komplett von den europäischen Festplätzen verschwanden.

 

1959 entwickelte die Firma Arrow in Amerika eine Stahlachterbahn, die im Disneyland Kalifornien als “Matterhorn“-Bahn installiert wurde. Grundsätzlich bestand jedoch in den USA kein großes Interesse für Stahl-Achterbahnen. Die Amerikaner bevorzugten Ihre Woodern-Coaster.

 

18. Sep. 1964 Eröffnung der 1. deutschen Stahlachterbahn. Die “Super Acht“ wurde von Werner Stengel entworfen und von Anton Schwarzkopf gebaut. Damit begann eine neue Ära von innovativen Entwicklungen beim Achterbahnbau durch Stengel und Schwarzkopf. Beide haben die Geschichte der Achterbahn wesentlich beeinflusst und viele Projekte in der ganzen Welt verwirklicht.

 

1984 konnte Arrow für Bush Garden in Virginia den ersten funktionierenden Suspended-Coaster bauen (“The Big Bad Wolf“). Das faszinierende dieses Typs ist, dass die Wagen je nach Kurvenradius ausschwingen - wodurch für den Fahrgast hohe, aber nicht unangenehme, seitliche Beschleunigungen auftreten.

 

1998 wurde erstmals eine Kombination von Wildwasserbahn und Achterbahn durch die Firma Mack errichtet (“Journey to Atlantis“ in Sea Wold, Florida).

 

Als ab den 70er Jahren auch immer mehr Freizeitparks aus dem Boden schossen, entwickelte sich für die Konstrukteure ein ganz neues Business: Immer mehr Konstrukteure entwickelten speziell auf Freizeitparkverhältnisse getrimmte Achterbahnen mit großer Themenkulisse, wie z.B. in Walt Disney World. Die Bahn “Big Thunder Mountain Railroad“ in den Disney-Parks, mit dem Thema führerloser “Ghost-Train“, ist oft in anderen Parks anzutreffen.

 

An der Spitze steht die USA mit den meisten Freizeitparks sowie mit den meisten Roller Coaster. “Cedar Point“ in Sandusky, Ohio, ist einer jener Parks, die immer wieder versuchen einen Rekordhalter oder ein außergewöhnliche Bahn zu bauen.

 

Entwicklung:

 

Weltweit werden derzeit immer mehr Achterbahnen mit Katapultbeschleuniger eröffnet. Das bedeutet, dass statt dem herkömmlichen Lifthügel auf den die Achterbahnzüge, meistens mittels einer Kette, hinaufgezogen werden, der Start auf einer waagrechten Beschleunigungsstrecke stattfindet.

 

Mit dem Shuttle Loop (Schwungrad oder Fallgewicht), der 1977 von Anton Schwarzkopf entwickelt wurde, wurde die Idee eines Katapultstarts erstmals umgesetzt. Dann folgten in den Neunziger Jahren die Magnetantriebe. Diese LIM-Antriebe wurden jedoch hauptsächlich in Amerika verwendet, weil dort der große Stromverbrauch für diese Anlagen relativ billig ist. Die nächste Entwicklung war der Luftdruckabschuss. Mittlerweile sind diese Beschleunigungen durchaus mit Jets oder Raketen vergleichbar – daher werden diese Achterbahnen auch Rocket Coaster genannt.

 

Der aktuelle Rekordhalter befindet sich seit 2005 in “Six Flags Great Adventure“. 25 Millionen Dollar kostete “Kingda Ka“ - hier werden die Züge innerhalb von 3,5 Sekunden auf 206 Stundenkilometer beschleunigt, damit sie dann einen 139 Meter hohen, senkrechten Turm hinauffahren können.

 

Kingda Ka

 

 

Die Entwicklung des Loopings

 

1833 tauchte die Idee für ein Looping auf. Wahrscheinlich von dem französischen Erfinder Clavieres.

 

1846 war es dann praktisch soweit, in Paris und Berlin gab es die ersten Loopings mit 4 m Durchmesser. Erst wurden Versuche mit rohen Eiern und mit Wasser gefüllten Gläsern gemacht, um zu demonstrieren, wie sicher die Fahrt sei. Zwei Jahre später wurden sie wegen Verletzungen der Fahrgäste geschlossen.

 

1888 testete der amerikanische Erfinder Lina Beechner Loopings, und errichtete 1900 in New York ein 7,6 Meter großes Looping mit Under-Friction-Wheels. Wegen gesundheitlicher Schäden (12 g) wurden aber 1905 die Loopings wieder abgebaut.

 

1901 präsentierten Edwart Prescott und E. A. Green erstmals einen ovalen Looping, wobei bei der Einfahrt in den Looping, die g-Kräfte gleichmäßiger und ohne Spitzenwerte entstehen. Finanziell war es aber nicht tragbar – zu lange Ladezeiten. In London 1902 und in Paris 1904 wurden ebenfalls kurzfristig Looping-Bahnen gebaut.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Wien, im Prater, ein neuerlicher Versuch mit zwei aufeinanderfolgenden Loops gestartet.

 

1952 baute in Deutschland, der Schausteller Hilmar Gropengießer, die erste transportable Looping-Bahn der Welt. (Es waren aber wieder kreisrunde Loopings ohne Under-Friction-Wheels.)

 

1972 entwickelte Arrow Dynamics in Kalifornien, einen neuen Looping-Typ: den Corkscrew. Beim Korkenzieher gibt es zwei kreisförmige Überschläge, die räumlich verlaufen – eine sogenannte Spirale. Der Vorteil zum normalen, vertikalen Looping: die Geschwindigkeit wird nicht abrupt reduziert und es entstehen auch keine hohen g-Kräfte. Die Käufer waren skeptisch und erst 1975 wurden in 2 Parks Corkscrew-Coaster gebaut. 13 weitere Bahnen folgten.

 

1976 Beginn des Looping- Zeitalter: Eröffnung von “The Great American Revolution“ in Six Flags Magic Mountain, Valencia, Kalifornien. Das Looping dieser Bahn war das erste, dass ohne gesundheitliche Schäden gefahren werden konnte. Werner Stengel hatte die Idee dazu. Er entwickelte ein ovales Looping, eine auf dem Kopf stehende Tropfenform, auf der Basis einer Klothoide (gebaut von Schwarzkopf). Bei den senkrechten Loops ist diese Form heute Standard. Viele Looping-Bahnen und Corkscrews in Amerika wurden von amerikanischen Firmen, aber unter deutscher Leitung (Stengel und Schwarzkopf) gebaut.

 

1978 erfolgte eine weitere wichtige Erfindung von Stengel: die Herzlinie (Heartline). Bei seitlichen Drehungen (Twists) um die Bahnachse treten bei Centerline-Konstruktionen seitliche g-Kräfte (Schleudertrauma) auf. Um diese Figur für den Fahrgast angenehm zu gestalten, ließ Stengel die Schienen in einem gleichbleibenden Abstand um eine imaginäre “Herzlinie“ (Heartline) sich winden, dadurch werden rückartige seitliche Bewegungen vermieden. (“Shock Wave“ in Six Flags Over Texas, Dallas)

 

Beispiel für ein Außenlooping bei dem Achterban-Typ: Inverter